Ich kann andere nicht retten, heilen oder ändern…

…aber ich kann sie lieben, für sie da sein und ihnen helfen, wenn sie das wollen.

Ich möchte heute mit dir eine sehr wichtige Erkenntnis teilen, die ich zwar schon länger in der Theorie wusste, aber jetzt erst wirklich verstanden und gespürt habe. Diese Erkenntnis bezieht sich insbesondere auf meine Eltern, aber eigentlich auf alle Menschen in meinem Leben.

 

KINDHEIT

Das Retten-Wollen/Müssen fing als Kind bei mir an. Unterbewusst habe ich mich irgendwann dazu entschieden, dass ich als Puffer zwischen meinen Eltern fungiere. Dass ich bei Streits dazwischen gehe, weil ich Angst habe, dass sie sich trennen. Dass ich mich für Frieden und Harmonie verantwortlich fühle. Und weil für Kinder nichts wichtiger ist als die Liebe der Eltern und dass alles sicher und geborgen ist – sind sie und war ich bereit alles dafür zu geben, dass das so bleibt. Ich habe mich dafür “geopfert”, und es wurde zu einer allumfassenden Aufgabe.

In meinem Fall habe ich vor allem meinen Papa beschützt und gerettet. Und meine Mama wollte ich immer ändern. Dadurch habe ich mich als Kind in ein unglaubliches Spannungsfeld begeben, weil ich der Retter und Veränderer war, aber nicht das Kind, das einfach sein darf und dabei sicher und geliebt ist. Ich hatte mir selbst diese unlösbare Aufgabe gegeben, um sie über die letzten Jahre und mit viel bewusster Arbeit wieder aufzulösen. Aber woher nun die plötzliche Erkenntnis auf tiefer Ebene?

Ich war mit meinem Papa für eine Auszeit in Italien. Neben vielen guten Gesprächen zwischen Papi und Tochter, gab es da noch einen kleinen Sturz beim Rausgehen aus dem Wasser. Er ist gerade nicht so sicher auf den Beinen, und ich habe ihn immer gesichert beim Rein- und Rausgehen. So auch am letzten Tag, aber irgendwie drehte es ihn komisch weg, ich hatte keinen Hebel mehr um ihn zu halten und er fiel halb auf die Treppe, halb ins Wasser. Ihm ist nichts passiert, nur ein kleiner Schreck. Ich hingegen merkte nach einiger Zeit, dass ich beim Versuch ihn zu retten, mir einen Zeh und das Knie ziemlich gequetscht hatte und beides schnell anschwoll. Und als ich dann so auf der Liege lag und mein Knie kühlte, dachte ich mir: ja Jasmin, genau so ist es. Du kannst ihm helfen und da sein, aber retten und ihn vor allem bewahren kannst du nicht. Beim verkrampften Versuch das doch zu tun, wirst du selbst vielleicht am meisten verletzt. Und Papa ist trotzdem “hingefallen”.

Und in diesem Moment, ich kann es gar nicht anders beschreiben, habe ich den Gedanken losgelassen, ich könnte ihn retten. Weil das kann ich nicht. Das kann nur er allein, und wenn er will, fragt er mich nach Hilfe. Ich kann ihn lieben – das am allermeisten.

VERTRAUEN

Was aber noch viel wichtiger war in diesem Zusammenhang ist folgende Sache: wenn wir andere glauben retten, heilen oder verändern zu können – dann vertrauen wir ihnen eigentlich nicht, dass sie das selbst können. Wir trauen es ihnen nicht zu. And guess what: dann haben sie auch den Raum nicht dafür.

Woher das kommt ist ganz einfach zu verstehen, wenn wir zurück in die Kindheit schauen: das Kind überlebt nicht ohne die Eltern, die Liebe und den Schutz. Also nimmt es das Zepter selbst in die Hand, wenn es glaubt, dass damit alles gesichert ist. Die Kontrolle (um damit Sicherheit zu erlangen) ersetzt das Vertrauen.

Das Wunderbare ist, dass in dem Moment, als ich es Papa endlich zugetraut habe, dass er sein Leben hinbekommt und heilen kann (wenn er das will), in dem Augenblick habe ich mir selbst all das zugetraut. Also so wirklich und auf einer tiefen Ebene. Was für eine Veränderung!

Deswegen ist der Austausch mit den Eltern und das Eintauchen in ihre, aber vor allem in unsere eigene Geschichte so unglaublich wertvoll und wichtig.

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Alles Liebe,

deine Jasmin

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Jasmin Redweik

Jasmin Redweik